The Wanderer: Frankenstein’s Creature in der GC-Vorschau

Die von Mary Shelley im 19. Jahrhundert erdachte Geschichte von Frankensteins Monster ist mehr als seichter Horror für die Massen. Nicht umsonst lautet der englische Original-Titel „Frankenstein or The Modern Prometheus“. Schließlich schuf Prometheus der Mythologie zufolge die Menschheit und hinterging die anderen Götter, um seine Schützlinge zu bewahren. Und das Menschsein, die Teilnahme an der Gesellschaft und die grundlegende Frage danach, was das menschliche Leben ausmacht, sind elementare Bestandteile dieser bis heute essenziellen Geschichte. Dank der Zusammenarbeit zwischen dem TV-Sender Arte und dem Entwicklerstudio La Belle Games findet dieses bekannte literarische Werk nun seinen Weg auf den PC, mobile Geräte und die Switch. Auf der Gamescom hatten wir die Gelegenheit, den Titel selbst zu spielen und um es vorweg zu nehmen: wir waren beeindruckt und berührt von der außergewöhnlichen Umsetzung.

Verschiedene Ebenen sorgen in der vermeintlichen 2D-Optik für Tiefe und Bewegung. Bild: Arte/ La Belle Games

Aus Einsamkeit

Wir beginnen unsere Reise in Gestalt von Frankensteins Kreatur einsam und alleine. In eine schwarz weiße Welt ohne Zuneigung geboren. Und so fühlen sich die ersten Momente des Spiels auch an. Bewegen wir uns anfangs noch vor komplett weißem Hintergrund, ergibt sich nach und nach ein Laboratorium, welchem wir in den ersten Minuten entkommen. Mit jedem Schritt, der uns aus der sterilen Umgebung, unserem Geburtsort (?) führt, fällt die Leere und Einsamkeit von uns ab. Die weißen Hintergründe beginnen sich mit Leben zu füllen, während wir durch Wälder schreiten und die Natur entdecken, das Tierleben und die Freude an den Farben. Diese Erfahrungen sind allerdings nicht linear festgeschrieben. Vielmehr formen unsere Entscheidungen und unserer Erfahrungen in dieser neuen Welt, wie sich Frankensteins Kreatur selbst wahrnimmt.

Angst vor dem Unbekannten

Das zeigt sich besonders in einer Schlüsselszene der Demo, als wir die Wahl haben, eine Schlange zu töten oder zu verjagen, die ein Reh angreifen würde. Diese Momente zeigen, ob wir wirklich Frankensteins Monster sind oder ob wir unser neu gewonnenes Leben in Frieden und Einklang mit der Natur führen wollen. Ganz unabhängig davon, wie wir uns moralisch entscheiden, sorgt unsere äußere Erscheinung nicht gerade für viel Gegenliebe. Schlüsselmoment dieser Erkenntnis: in einem Dorf treffen wir auf eine Gruppe von Kindern, die mit einem Ball spielen. Sie lassen uns unbefangen von Vorurteilen mitspielen.

Selbsterkenntnis

Als ihre Eltern uns jedoch bemerken, schlägt die Stimmung um. Das farbenfrohe Bild weicht. Wir werden von Einwohnern mit Steinen beworfen und von Hunden verfolgt und fliehen. Als wir an einen See gelangen, erblicken wir zum ersten Mal unser Gesicht in der Oberfläche des Wassers und die Tragik wird greifbar. Ein normales Leben können wir nicht führen, nie zu einem Teil dieser Menschheit werden, oder doch?

Berührungsempfindliche Schönheit

Ganz abgesehen von der berührenden Geschichte, die den Literaturklassiker einer neuen Generation zugänglich macht, tut auch die Aufmachung ihren Teil dazu, dass das The Wanderer im Gedächtnis bleibt. Trotz im Hintergrund laufender 3D-Engine (Unity ist hier das Tool der Wahl), sieht das Spiel aus, wie ein zum Leben erwachtes Ölgemälde. Allerdings immer wieder durch überlagernde oder durchscheinende Elemente verfeinert, die dem Geschehen Tiefe verleihen. Da es sich (auch) um ein mobiles Spiel handelt, folgt die Kreatur der Maus (am PC) oder dem Finger auf dem Smartphone/Tablet (was sich etwas natürlicher anfühlen dürfte). In der ebenfalls gezeigten Switch Version steht neben einer Touch-Steuerung die Möglichkeit zur Verfügung, den Analogstick zur direkten Steuerung zu verwenden.

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Fazit

Ich gebe es zu: The Wanderer: Frankenstein’s Creature hat mich während der Anspiel-Session tief berührt. Das liegt nicht zuletzt an der perfekten optischen Aufmachung, die das Aufleben der Kreatur untermalt. Darüber hinaus erlauben die immer wieder aufkommenden Entscheidungen einen eigenen Weg durch das Abenteuer. Enttäuscht bin ich nur darüber, dass das Spiel nicht für alle Systeme erscheint. Hoffentlich ändert sich daran noch etwas, nachdem das Spiel veröffentlicht ist. Im Herbst dieses Jahres soll es so weit sein.

Stephans Fazit

Videospiele sind Kunst. The Wanderer: Frankenstein’s Creature zeigt einmal mehr wie vielfältig und berührend Spiele sein können. Sowohl die künstlerische Gestaltung des Spiels – die Stark an Gemälde erinnert, als auch die musikalische Untermalung, tragen zum Spielgefühl bei und sind je nach Spielabschnitt unterschiedlich und perfekt abgestimmt. Hier wurde mit viel Liebe zum Detail ein Spiel geschaffen, dem man die Arbeit und den künstlerischen Aspekt ansieht. Ich kann mich Marvin nur anschließen und hoffe, dass später auch andere Plattformen in den Genuss dieses Titels kommen werden.

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